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Vermeidung von Vogelanprall an Glasflächen

Experimentelle Untersuchungen zur Wirksamkeit von Glas-Markierungen unter natürlichen Lichtbedingungen im Flugtunnel

Jährlich sterben Milliarden von Vögeln durch Kollisionen mit Glasscheiben. von Wintergärten, Hochhäusern, Wellness-Centern, Lärmschutzwänden, Eisenbahn- und Busstationen. Sind es an einzelnen Scheiben jeweils nur einzelne Vögel pro Jahr summiert sich diese Zahl der tödlich verunglückten Vögel durch die Omnipräsenz von Glas, sodass in jedem Augenblick irgendwo ein Vogel in die tödliche Falle fliegt und an inneren Blutungen des Gehirns stirbt.

Seit mehr als einem Jahrzehnt ist bekannt, dass Greifvogelsilhouetten zur Abschreckung wirkungslos sind. Dennoch werden diese Aufkleber immer noch empfohlen, verkauft und angewendet.

Die Wiener Umweltanwaltschaft beauftragte 2004 den Verein AURING verschiedene Markierungen, die Glasscheiben für Vögel wahrnehmbar machen sollen, unter die Lupe zu nehmen. In den ersten beiden Jahren wurden bereits wichtige und zum Teil überraschende Ergebnisse geliefert, z.B. dass relativ schmale Streifen im Abstand von ca. 10 cm sehr gut wirksam sind, dass es aber einen sehr großen Unterschied macht, ob diese senkrecht oder waagrecht verlaufen. Senkrecht verlaufende Streifen sind wirksamer und dürfen weiter auseinander stehen als waagrechte.

2006 wurde der „Flugtunnel II“ in Zusammenarbeit mit der Universität für Bodenkultur (Institut f. Meteorologie) konzipiert, in Niederabsdorf hergestellt und im Bereich der Beringungsstation aufgestellt. Finanziert wurde die Anlage von ASFINAG und BMVIT (Verkehrsministerium). Dieser Versuchstunnel ist weltweit der einzige seiner Art und liefert sehr gut abgesicherte Ergebnisse über die Möglichkeiten, Glasscheiben für Vögel sichtbar zu machen.

Warum ein Tunnel?

Vögel fliegen aus dem Finsteren zum Licht. Das nutzen wir aus, um jeden von uns beringten Vogel vor seiner Freilassung noch zu einem Versuchsflug in unserem Tunnel zu motivieren. Die Vögel werden an einem Ende in eine Startbox gesetzt und starten sogleich in Richtung Licht am Ende des Tunnels. Am Ende des Tunnels entscheidet sich der Vogel zwischen zwei unterschiedlichen vermeintlichen Fluchtwegen: einer führt zu einer unmarkierten Glasscheibe (Referenzscheibe), der andere zu einer markierten Scheibe. Bevor es tatsächlich zu einer Kollision mit der Scheibe kommt, wird der Vogel von einem Netz aufgefangen und sofort in die Freiheit entlassen, während die Videoaufnahme seines Fluges später ausgewertet und seine Entscheidung dokumentiert wird. Bei unwirksamen Markierungen fliegen Vögel gleich häufig zum linken wie zum rechten Fenster. Wir hatten bereits Markierungen, bei denen 100% der Vögel der markierten Scheibe ausgewichen sind und durch die nicht sichtbare unmarkierte Scheibe flüchten wollten.

Im Tunnel ist es finster, kann man daraus überhaupt auf Glasscheiben schließen, die im Tageslicht stehen?

Das ist das besondere am Flugtunnel II und unterscheidet ihn von anderen Versuchstunneln. Seitlich sind Spiegel angebracht, die Sonnenlicht symmetrisch, parallel und gleichmäßig auf die Scheiben umlenken. Damit dies möglich ist, muss die Sonne immer im Rücken des Tunnels stehen. Zu diesem Zweck ist der 1 Tonne wiegende Tunnel auf einem Drehkranz gelagert und wird von Hand auf den jeweiligen Sonnenstand eingestellt.

Pro Jahr werden an der Biologischen Station Hohenau-Ringelsdorf etwa 1.000 Vögel aus ca. 45 Singvogelarten untersucht. Jede Markierung wird mit ca. 100 Einzelexperimenten untersucht, eine sehr hohe Stichprobenanzahl, die nur im Anschluss an einen sehr guten Fangplatz möglich ist. Für jeden Flug werden von 2 Pyranometern die Lichtverhältnisse gemessen und gespeichert. Somit kann das Verhalten der Vögel nach verschiedenen Einflussgrößen differenziert werden und beispielsweise die Frage beantwortet werden, ob bestimmte Markierungen nur in der Mittagszeit oder auch in der Morgendämmerung, wenn die Vögel am aktivsten sind, wirken.

Was weiß man über die verwendeten Materialien?

Im Lichtlabor des Meteorologie-Istitutes der Universität für Bodenkultur werden mit einem eigens entwickelten Messverfahren, dass verschiedene Einfallswinkel der Strahlung auf die Markierungen berücksichtigt, die physikalischen Parameter der Markierungen gemessen, sodass hinterher unterschiedliche Ergebnisse auch auf unterschiedliche Materialien oder chemisch-physikalische Parameter zurückgeführt werden können (z.B.weißer Siebdruck, weiße glänzende und weiße matte Folien, unterschiedliche Hersteller, unterschiedliche UV-Reflektanz, etc.)

Was wird gerade untersucht?

Im Jahr 2007 werden Glasdekorfolien-Markierungen untersucht, die auch für das menschliche Auge wenig störend oder sogar angenehm empfunden werden. Ein großer Versuchsblock untersucht die unterschiedliche Wirksamkeit von Farben. Die Versuche 2007 werden im Auftrag der Niederösterreichischen Umweltanwaltschaft, von der Wiener Umweltanwaltschaft, der Wiener Tierschutz-Ombudsstelle, und der Para-Chemie Ges.m.b.H durchgeführt.

Vermeidung von Vogelanprall an Glasflächen

Martin Rössler, Wolfgang Laube, Philipp Weihs, März 2007 (pdf, 1.4 MB)
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Neuigkeiten bei den Glasversuchen