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Vogelzugforschung

Schon im antiken Griechenland beschäftigte man sich mit der Frage, wieso viele Vögel in Europa nur im Sommer beobachtet werden können. Mögliche Antworten gab es viele: sie halten Winterschlaf wie die Säugetiere, sie vergraben sich im Schlamm um dort zu überwintern oder sie sehen im Winter anders aus und aus einem Schnäpper wird dann im Winter zum Beispiel eine Meise. So gesehen ist in den vergangenen Jahrhunderten in der Vogelzugforschung schon einiges passiert: Wir wissen nun, nicht nur, dass Vögel keinen Winterschlaf halten, sondern den Europäischen Winter im warmen Afrika verbringen, sondern wir wissen auch von allen Europäischen Vogelarten wo sie (mehr oder weniger) genau überwintern. Wir unterscheiden zwischen Lang- und Kurzstreckenziehern: Langstreckenzieher sind die Vögel, die südlich der Sahara überwintern. Sie kommen relativ spät im Jahr zurück in ihre Brutgebiete (Mai) und ziehen schon früh wieder weg (Juli). So verbringen sie nur etwa zwei bis drei Monate in ihren Brutgebieten und den Rest des Jahres auf Reisen oder im Winterquartier im südlichen Afrika. Der häufigste Langstreckenzieher in den vogel.schau.plätzen ist der Sumpfrohrsänger. Kurzstreckenzieher überwintern nördlich der Sahara, großteils im Mittelmeerraum. Sie bleiben länger in Europa und ihr Zugweg ist viel kürzer, weshalb sie später wegziehen können und die Zugrouten flexibler sein können. Kurzstreckenzieher werden daher auf der Beringungsstation vor allem im Herbst (Ende September, Oktober) gefangen. Manche Kurzstreckenzieher kommen auch nach Mitteleuropa um hier zu überwintern. Dies sind Vögel die weiter nördlich (vor allem in Skandinavien) brüten. Dazu zählen Vögel wie die Singdrossel oder die Heckenbraunelle.
Bis zum Ende des 20. Jahrhunderts war die Vogelberingung die effektivste Methode um Vogelzug zu erforschen. Durch den Ring ist jeder Vogel eindeutig zu identifizieren und Wiederfunde von Ringen geben einen guten Überblick über die verschiedenen Zugwege und Überwinterungsgebiete. Aufgrund der geringen Wiederfundrate müssen Millionen Vögel beringt werden, um genaue Aussagen über den Vogelzug machen zu können. Die Beringungsstation an den vogel.schau.plätzen liefert seit 1994 ihren Beitrag zu dem weltweiten Netzwerk, das Vogelzug mithilfe von Beringung studiert. Auch wenn mittlerweile schon vieles über die verschiedenen Zugrouten bekannt ist, so können doch immer wieder neue Entdeckungen gemacht werden. Zudem können sich Zugstrategien und Zugrouten im Laufe der Zeit verändern (wie zum Beispiel als Folge des Klimawandels), und diese Veränderungen können mithilfe von standardisierten Beringungsprogrammen erforscht werden.
Um möglichst viele Vögel beringen zu können suchen Vogelforscher geeignete Rastplätze aus. Das sind Naturgebiete wo eine große Anzahl von Vögeln am Zug rastet und wo genug Nahrung vorhanden ist um die, für den Zug notwendigen, Fettreserven wieder aufzufüllen. Da geeignete Rastplätze in Europa immer seltener werden, ist es umso wichtiger die wenigen verbleibenden zu schützen. Die vogel.schau.plätze haben somit nicht nur eine wichtige Funktion in der Vogelzugforschung sondern auch im Vogelschutz, weil sie ein ausgezeichnetes Rasthabitat darstellen – wie die großen Fangzahlen deutlich zeigen.
In den letzten Jahrzehnten wurden in vielen Studien auch Sensoren verwendet, mit deren Hilfe die Wanderwege der Vögel per Satellit oder Telemetrie direkt verfolgt werden können. Diese Methode ist allerdings sehr teuer, weshalb nur wenige Vögel so markiert werden können. Diese Sensoren sind daher kein Ersatz für die wissenschaftliche Vogelberingung, sondern eine Erweiterung der Methodik.
Für spezielle Forschungsfragen werden Vögel mit Farbringen markiert, um sie im Feld individuell erkennen zu können.
Andere Methoden der Vogelzugforschung sind Vogelbeobachtungen untertags, wie etwa Greifvögel am Zug an geeigneten Stellen gezählt werden. In der Nacht kann man ziehende Vögel bei Vollmond beobachten, und damit Aussagen über die Anzahl und die Zugrichtung machen. Daneben können Radarstudien Auskunft über Zugrichtung, Zughöhe und Anzahl ziehender Vögel sowohl bei Tag als auch bei Nacht geben.
Martina Hillbrand

Bienenfresser Foto: Friederike Nüsken

Bienenfresser
Foto: Friederike Nüsken