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Heuschrecken

Heuschrecken-Atlas Ostösterreich

Grünes Heupferd (Tettigonia viridissima) und Manuel Denner. Foto: H.-M. Berg

Seit dem Jahr 1990 läuft das ambitionierte Projekt einer Kartierung der Verbreitung aller in Niederösterreich, dem Burgenland und Wien heimischen Heuschrecken und Fangschrecken. Im Jahr 2003 wurden nun die letzten gröberen „weiße Flecken“ geschlossen und schwierige „Problemarten“ nachkartiert.

Um den MitarbeiterInnen ein möglichst effizientes Kartieren zu ermöglichen und sie über den Kartierungsfortschritt zu informieren, soll auf dieser Seite ein regelmäßig aktualisierter Überblick über den Bearbeitungsstand und die ausständigen Lücken gegeben werden sowie auf neueste Entdeckungen oder Probleme hingewiesen werden.

Aktuelle Beobachtungen sollten bevorzugt auf den für die Kartierung entwickelten „Feldkarten“ bzw. für Einzelbeobachtungen auf den „Meldekarten“ übermittelt werden. Die Übersendung von Beobachtungslisten, Tagebuch-Kopien o. ä. ist ebenfalls möglich, erschwert jedoch Dateneingabe und Archivierung. Zusätzlich besteht die Möglichkeit, Nachweise in eine vorgegebene Datenmaske selbst einzugeben und per e-mail an uns zu schicken. Fett gedruckte Spalten sollten auf jeden Fall ausgefüllt werden, die anderen sind optional. Das Formular kann heruntergeladen werden:

Orthopteren Datenmaske herunterladen [Excel]

Für jeden Nachweis können über 20 Parameter in die Datenbank aufgenommen werden:

Obligatorische Parameter: Art, dreiteilige Verortung (Fundort, Ortsbezeichnung aus der selben Gemeinde, Himmelsrichtung – z.B. Eichkogel NW Guntramsdorf), Geographische Koordinaten (Breite/Länge), Bundesland, ÖK, Jahr, Beobachter (2 Namen bzw. Literaturzitat möglich), Belegnummer

Ergänzende Parameter: Quantität, Sex, Alter, Nachweis (Eiablage, Totfund etc.), Beleg (Foto, Sammlung), Datum, Habitat, Seehöhe, Sextant, Anmerkungen (Freitext)

Artenzahl im Jahresverlauf und Bearbeitungsstand

Heuschrecken können mit Ausnahme der Wintermonate über das ganze Jahr beobachtet werden. Die höchste Artenzahl wird in der zweiten Juli-Hälfte erreicht, wenn fast alle spät entwickelnden Arten bereits adult sind, die frühen Arten (z.B. die Plumpschrecken) aber noch leben. Aber noch Anfang Oktober kann fast die Hälfte des heimischen Artenspektrums nachgewiesen werden, wobei die Tiere in den Hochlagen oft später im Jahr noch angetroffen werden können als in den Niederungen. Die ertragreichste Kartierungszeit reicht jedoch in Summe vom 15.7.-27.9.

Kollars Höhlenschrecke (Troglophilus cavicola) Foto: W. Schweighofer

Bearbeitungsstand

Mit Stichtag 15.2.2004 konnten über 56.000 Datensätze zur Verbreitung von 104 Heuschrecken- und Fangschrecken-Arten zusammengetragen und EDV-mäßig verarbeitet werden. Die Nachweise decken bereits fast 100% des Kartierungsgebietes ab, es existieren jedoch – wie die folgende Abbildung zeigen – noch einige wenige Erfassungslücken, wo nur ein Bruchteil der zu erwartenden Arten aufgefunden wurde. Die meisten dieser Lücken sind bereits geschlossen, konnten aber noch nicht in die Datenbank einfließen. Dies wird in Bälde nachgeholt.

Im Zuge der laufenden Orthopterenkartierung Ostösterreich konnten nun vor allem durch die intensive Kartierungsarbeit im Jahr 2003 sämtliche zur Gänze im Untersuchungsgebiet liegenden Kartierungs-Quadranten aufgesucht und zumindest auf ihre wichtigsten Arten hin untersucht werden. Unzureichend bearbeitete oder gänzlich unbegangene Felder liegen nun ausschließlich am Rand des Gebietes und weisen oft nur geringe Flächenanteile auf. Selbstverständlich sind weiterhin in vielen Bereichen selbst häufige Arten nicht kartiert, sodass aus den meisten Gebieten Kartierungs- und Streudaten immer willkommen sind!

Arten und ihre Verbreitung

Die drei verbreitetsten Arten Ostösterreichs – Gemeiner Grashüpfer, Roesels Beißschrecke, Gemeine Strauchschrecke

Die drei verbreitetesten Heuschrecken-Arten Ostösterreichs sind in praktisch allen Landschaften unseres Gebiets anzutreffen und vielerorts die häufigsten vorkommenden Arten. Lücken in ihrer Verbreitung deuten ebenfalls auf Erfassungsschwächen hin, die in nächster Zeit noch geschlossen werden könnten. Lediglich in Teilen des Seewinkels besitzen offenbar alle drei Arten natürliche Verbreitungslücken!

Der Kiesbank-Grashüpfer Chorthippus pullus ist hingegen eine der seltensten Heuschrecken in Ostösterreich. Während der Kartierungsperiode wurde nur mehr ein einziges Vorkommen dieses spezialisierten Wildfluß-Bewohners (am Lassingbach im Dürrenstein-Gebiet) gefunden.

Markante Verbreitungsgrenzen – Kurzflügelige Beißschrecke, Weinhähnchen, Verkannter Grashüpfer, Dickkopf-Grashüpfer

Vor allem ost- und südeuropäische aber auch alpine Arten erreichen in Ostösterreich ihre natürliche Verbreitungsgrenze. Hier wäre es sehr interessant, diese im Rahmen unserer Kartierung möglichst scharf abgrenzen zu können. Einige charakteristische Arten sollen zu gezielten Kartierungen entlang der potentiellen Verbreitungsgrenzen (v. a. im östlichen Waldviertel, Alpenvorland und Südburgenland) anregen.

Eine der bekanntesten Arten – Gottesanbeterin

Die in der Bevölkerung wohl bekannteste durch unsere Kartierung erfaßte Art ist die Gottesanbeterin Mantis religiosa. Hier ist auch der Anteil von Beobachtungen, die von interessierten Laien geliefert wurden ausgesprochen hoch. Trotzdem ist das Verbreitungsbild noch nicht ganz komplett erfaßt. Hier kann jeder interessierte Naturfreund einen Beitrag leisten, auch ältere Angaben sind für den Verbreitungsatlas wertvoll!

Die Feldgrille Gryllus campestris

Ab Ende März konnten bei dieser frühen Art bereits Larven gefunden werden, ab Ende April waren die ersten rufenden Feldgrillen da, die bis Anfang Juli kartiert werden konnten. Viele der Erfassungslücken konnten 2003 geschlossen werden, das Verbreitungsbild sieht nun recht „gut“ aus.

Das Östliche Heupferd Tettigonia caudata – eine Getreideschrecke

Ab dem 9. Juni waren im Jahr 2003 von den Heupferden bereits Tettigonia viridissima und caudata, ab dem 15. Juni auch Tettigonia cantans rufend im östlichen Österreich anzutreffen – heuer extrem früh in Folge des hochsommerlich ausgefallenen Frühlings! Die Heupferde gehören zu den gut kartierten Arten, gerade beim Östlichen Heupferd sind jedoch wie die Karte zeigt noch einige Lücken zu klären. Sie ist jene Art, die von allen unseren Heuschrecken die engste Bindung an die ausgedehnten Getreide-Steppen des pannonischen Österreich zeigt.

Aktuelle „Problemarten“ – Sichelschrecken Phaneroptera falcata & nana

Durch die erst im Jahr 1995 allgemein erkannte weite Verbreitung von Phaneroptera nana im pannonischen Osten sind viele ältere Sichelschreckennachweise nicht sicher
nana oder falcata zuordenbar. Es sollten daher dringend in den
Überschneidungsgebieten der beiden Arten möglichst viele eindeutige Bestimmungen gelingen, wobei bei den Männchen vor allem die Form der Subgenitalplatte, bei den Weibchen die Krümmung des Legebohrers wichtige Bestimmungsmerkmale sind. Auch die Unterschiede in den Habitatpräferenzen sollten genauer abgeklärt werden (gibt es z. B. P. falcata auch in Gärten und Parks, Lebensräume die von P. nana intensiv genutzt werden).

Aktuelle „Problemarten“ – Dornschrecken Tetrix sp.

Die größten Erfassungslücken weist die Gruppe der Dornschrecken (Tetrigiden) auf. Grund dafür ist ihre Unauffälligkeit (vor allem der fehlende „Gesang“) und die frühe jahreszeitliche Entwicklung. Mitte April setzt die Dornschrecken-Zeit ein, weit vor den anderen Heuschrecken-Arten. Die nächsten Wochen sind daher die beste Zeit zum Nachweis dieser schlecht erfaßten Artengruppe! Folgende Arten sind in Ostösterreich anzutreffen: Weiter verbreitet – T. subulata, undulata, tenuicornis, bipunctata, sehr lokalisiert T. bolivari. Die Bestimmung erfordert große Sorgfalt! Als Beispiel die noch am besten erfaßte Art – Säbel-Dornschrecke Tetrix subulata.

Vorerst abgeschlossen – Lückenfüllen bei den Plumpschrecken Isophya

Am 19. Mai konnte Sabine Zelz im Weinviertel bereits die erste Isophya kraussii entdecken, die Kartierung unserer frühesten
Ensiferen-Gruppe konnte somit bald beginnen! Die phänologische Verteilung der bisherigen Isophyen-Nachweise zeigt folgende Abbildung, mit Ende Juli (Pentade 42) ist das Auftreten bereits weitgehend abgeschlossen, einzelne Nachweise reichen aber bis in den September.

In Ostösterreich liegen Nachweise von fünf Arten vor – Isophya cf. camptoxypha, costata, kraussii, modestior und sehr lokalisiert brevicauda. Die Verbreitungsbilder zeigen schon recht „stimmige“ Muster – wie die folgenden Beispiele zeigen. Trotzdem sind noch größere Lücken zu schließen und die unbestimmten Funde nachzuprüfen. Der Einsatz eines Bat-Detektors ist eine wichtige Voraussetzung zur erfolgreichen Suche! Hilfe bei der Identifikation der Stimmen geben wir gerne.

Eine echte Waldviertlerin: Nadelholz-Säbelschrecke Barbitistes constrictus

Nur wenige Arten haben ihren Verbreitungsschwerpunkt im klimatisch für Heuschrecken eher ungünstigen Waldviertel. Dazu gehört z. B. der Kleine Heidegrashüpfer Stenobothrus stigmaticus. Am stärksten auf das Waldviertel beschränkt ist jedoch die Nadelholz-Säbelschrecke. Ihre Verbreitung war zu Beginn unserer Kartierung nur bruchstückhaft bekannt, historische Nachweise waren ausgesprochen rar. Erst der gezielte Einsatz von Fledermaus-Detektoren zur Erfassung des kaum hörbaren Gesangs lieferten das vorliegende Verbreitungsbild.

Die Sattelschrecke Ephippiger ephippiger

Die Steppen-Sattelschrecke ist eine noch recht weit über die Weinbaugebiete des östlichen Österreichs verbreitete, wärmeliebende Art, die entlang der Thermenlinie auch in die Randbereiche des Wienerwaldes und der Nördlichen Voralpen vordringt. Zusammen mit wenigen anderen Langfühlerschrecken ist sie auch im Blattwerk der Weinstöcke anzutreffen. Historische Vorkommen im Mostviertel (Purgstall) aber auch an der nördlichen Thermenlinie (z. B. Wien-Grinzing) konnten nicht mehr belegt werden, im übrigen Untersuchungsgebiet dürfte sich die vielerorts bedrohte Art aber noch recht gut halten.

Weiterführende Links

Tetrix
Gerade für OstösterreicherInnen hochinteressant – die Zeitschrift der tschechischen und slowakischen Orthopterologen Tetrix.

Kabourek Publishing House
Zusätzlich soll in Bälde ein Buch über die Orthopteroiden von Tschechien und der Slowakei erscheinen, das ansprechend aufbereitet, aber recht kostspielig sein wird (fast 3.000 CZK).

Terra Typica: Langfühlerschrecken
Terra Typica: Kurzfühlerschrecken
Eine noch recht übersichtliche Auswahl von Fotos von Langfühlerschrecken und Kurzfühlerschrecken kann hier gefunden werden, es besteht auch die Möglichkeit, eigene Fotos dort zu präsentieren.

Biodiversity Homepage
Ein großer Teil der Dateneingabe für den Orthopterenatlas wurde durch Unterstützung eines Projektes der Uni Wien (Department für Naturschutzbiologie, Vegetations- und Landschaftsökologie) zur Erforschung der Biodiversität Österreichs ermöglicht! Erste Ergebnisse lassen sich hier nachlesen.

The Orthopterists´ Society
Zahlreiche interessante Informationen findet man auch bei der Homepage der Orthopterist´s Society.

Orthoptera Species File Online
Wer eine Übersicht über die Taxonomie aller Orthopteren braucht, kann in der Datenbank Othoptera Species nachschlagen.

Impressum und Kontakt

Impressum:
Hans-Martin Berg, Tel. 01-52177-296
hans-martin.berg@nhm-wien.ac.at

Thomas Zuna-Kratky, Tel. 0699-12623160
vogelkunde@auring.at

Kontakt:
Ansprechpartner für Ergänzungen, Anmerkungen etc. ist Thomas Zuna-Kratky.